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Reue ist aussichtslos!
Er steht am Rande eines Grabes und befiehlt einer Gruppe
von Arbeitern mit Schaufeln einen Sarg auszugraben. Er ist sehr ungeduldig,
obwohl er genau weiß, dass die Person dort unter der Erde schon ein paar Tage
tot ist. Schöne Erinnerungen mit Reue vermischt gehen durch seinen Kopf.
Neben ihm steht ein leerer, sehr schöner Sarg. Er ist
noch unbenutzt. Will er sich neben die tote Person legen?
Langsam wird ein länglicher Kasten aus der Erde gehoben
und dann geöffnet. Obwohl die Frau darin schon ein paar Tage tot und ihre
Kleidung ziemlich ärmlich ist, lassen sich noch ein paar freundliche
Gesichtszüge erkennen. Und Zufriedenheit, oder besser Erlösung, wenn nach
einem langen Leiden alle Schmerzen plötzlich enden.
Er wollte sie noch einmal sehen, und wäre sie jetzt so
schön und lebensfroh gewesen, wie damals, dann wäre er wahrscheinlich neben
dem Sarg zusammengebrochen. Aber sie war es nicht. Lange hatte sie gelitten
und nur er meinte, hinter dem verzogenen Gesicht, ihre schönen Züge zu
erkennen.
Er ließ ihr eine neue Jacke und Rock anlegen, noch einmal
ihre Haare kämmen und Puder und Make-up auftragen. Obwohl es nicht viel half,
war er doch ein wenig beruhigter.
Jahrelang hatte er sie nicht gesehen, hatte sie sogar
gehasst, weil er die Wahrheit nicht einmal geahnt hatte.
Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Terrasse und
frühstücken. Das Haus ist nicht sehr groß und der Garten nicht mit vielen
Statuen geschmückt, wie es dem edlen Aussehen der beiden Verliebten würdig
gewesen wäre. Aber sie sind glücklich, es ist Frühling und sie genießen die
kraftgebende Sonne, die frische Milch und das gerade gebackene, weiche Brot
mit seiner knusprigen Rinde nach einer bewegungsvollen Nacht. Er, der Sohn
eines englischen Edelmannes und sie, eine Frau, die gezwungen ist, von ihrer
Schönheit zu leben.
Am Nachmittag ging er in die Stadt, um etwas zu
erledigen. Sein Vater war über diese Beziehung nicht gerade glücklich gewesen
und hatte ihn mehrmals gebeten, vernünftig zu werden.
Jetzt war sie allein im Haus. Sie organisierte den
Haushalt, wie eine Frau, die ihrem geliebten Mann ein zu Hause schafft.
Und da ging die Tür auf. Ein älterer Mann stand da,
energisch war sein auftreten. Er sagte nichts, sondern setzte sich wortlos an
den Tisch. Obwohl er sich nicht vorgestellt hatte, wusste sie genau, wer er
war. Sie sah ihn an und nur ihre Lippen flüsterten ihm lautlos zu: „Ich liebe
ihren Sohn!“ Lange schaute er ihr in die Augen, „eine wunderbare Frau für eine
glückliche Ehe, aber für eine Karriere ganz ungeeignet.“ Zu seiner eigenen
Jugendzeit hätte er fast den gleichen Fehler begangen, wie sein Sohn jetzt.
Dann war sein Vater gekommen, hatte eingegriffen. Aber war er glücklich? Was
ist Glück??? Glück vergeht, aber die Karriere bleibt. Und so saß er heute,
wie vor 40 Jahren sein Vater, vor dieser wunderbaren Frau. Er hätte weinen
können, wenn er es mit der Zeit nicht verlernt hätte. Und ihre Augen sagten
nur: „Ich liebe Ihren Sohn!“ Er musste nicht viel sagen. „Wenn Sie ihn
wirklich lieben, dann verlassen Sie ihn!“ Endlich stand er auf und ging, weil
er wusste, dass sie ihr Glück für seinen Sohn opfern würde.
Später wurde sie sehr krank und schrieb ihm einen Brief,
mit der Bitte seinen Sohn noch einmal sehen zu dürfen. Lange hatte er
gezögert, bevor er seinen eigenen Fehler eingestand und seinen Sohn, nun 20
Jahre älter, unterrichtete.
(nach Alexandre Dumas, fils:
La Dame aux camélias / Verdi: Traviata)
Widmung: für E.
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Else
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Else
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Else
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Else
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Else
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A bűnbánat reménytelen!
Montag, 26. Januar 2015
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